von Björn
Im Prozess für klimaneutrales Drucken setzt natureOffice neben Gold-Standard-Projekten aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien auch Zertifikate aus Wiederaufforstungsprojekten von CO2OL ein. Wir haben die Projekte bewusst fest mit in unser Portfolio integriert, weil wir darin eine hochwertige Option sehen, Klimaschutz wirksam zu fördern. Wenn gewisse Standards erfüllt werden.
natureOffice hat sich hier für eine Partnerschaft mit CO2OL entschieden: die folgenden 10 Fragen und Antworten sollen unseren Kunden, Partnern und allen Interessierten helfen, mehr über die Wiederaufforstungsprojekte zu verstehen. Vor allem aber zu verstehen, warum wir von der Qualität überzeugt sind.
Wir bedanken uns bei Herrn Walterspacher von CO2OL für die Unterstützung und für die sehr kooperative Zusammenarbeit in den letzten 2 Jahren!
Björn Hein, natureOffice: Wo finden diese Aufforstungsprojekte statt und wie wäre die Situation ohne ihre Aktivitäten?

Dirk Walterspacher, Geschäftsführer CO2OL
Dirk Walterspacher, CO2OL: Die Aufforstungsprojekte von CO2OL finden bereits seit 1996 in Panama statt. Panama ist innerhalb der Tropen politisch und finanziell ein sicherer Standort. Es gibt dort eine stabile Demokratie, zudem besteht zwischen Panama und Deutschland ein Investitionsschutzabkommen. Darüber hinaus bietet Panama einzigartige geografische Vorteile. Es besteht keine erhöhte Erdbebengefahr, ebenso ist das Risiko von Wirbelstürmen in dieser Region extrem gering. Daneben unterstützt Panama seit vielen Jahren die Wiederaufforstung durch entsprechende Gesetzgebung und Rechtszusicherung. Die Aufforstungsprojekte in Panama erfüllen neben der CO2-Bindung wichtige ökologische und soziale Faktoren in ländlichen Gebieten dieses Landes. Diese neuen tropischen Mischwälder haben eine Wasserschutzfunktion, stoppen die Erosion und Degradierung der entwaldeten Flächen und sind Habitat für viele seltene Tier- und Pflanzenarten, darunter zahlreiche endemische Arten. Da die Aufforstungsprojekte langfristig ausgelegt sind, bieten sie langfristige und soziale Arbeitsverhältnisse für die einheimische Bevölkerung. Über 100 Arbeiter und Ihre Familien erzielen hieraus ihren Lebensunterhalt.
Björn Hein, natureOffice: Gibt es kein Projekt in Deutschland, in das investiert werden kann?
Dirk Walterspacher, CO2OL: Zum einen forsten wir in den Tropen auf, weil ein Baum dort gerade zu Beginn wesentlich schneller wächst, also mehr Biomassezuwachs im gleichen Zeitraum entsteht, als in gemäßigten Zonen, wie bei uns in Deutschland. Da CO2 ausschließlich in der Wachstumsphase von Pflanzen aufgenommen wird, macht die Aufforstung in den Tropen also am meisten Sinn. Zum anderen haben die tropischen Regenwälder die größten Waldverlustraten der Erde. So ist es nur konsequent dort aufzuforsten, wo der Verlust am größten ist und so der rapide voranschreitenden Vernichtung der „grünen Lunge“ Regenwald entgegenzuwirken.
Björn Hein, natureOffice: Vermeidet man mit Wiederaufforstung den CO2-Ausstoß oder kann man sogar sagen, dass damit der Atmosphäre CO2 tatsächlich entzogen wird?
Dirk Walterspacher, CO2OL: Aufforstung ist eine wirksame Methode Kohlendioxid aus der Atmosphäre zu binden. Auch der WWF ist sich sicher: „Aufforstung kann eine wichtige Rolle in der globalen Strategie zur Reduktion der Treibhausgase in der Atmosphäre spielen.“ Die Beratungsfirma McKinsey hat im Auftrag der Bill Clinton Stiftung berechnet, dass die jährlich entstehende Fläche für tropische Aufforstung um den Faktor 40 steigen muss, um die Erwärmung unter der als kritisch angesehenen Marke von 2 Grad bis 2100 zu halten. Außerdem liegt in der Aufforstung von Waldgebieten die einzige Möglichkeit bereits emittiertes, also sich bereits in der Atmosphäre befindliches CO2 langfristig zu binden. Zudem erschaffen CO2OL-Projekte nachhaltige und soziale Arbeitsplätze und zahlreiche weitere ökologische Vorteile in Entwicklungsländern wie zum Beispiel der Aufbau von Biodiversität, Wasserschutz und Erosionsstopp.
Björn Hein, natureOffice: Wie stellt man sicher, dass die Bäume auch tatsächlich über die gesamte Laufzeit stehenbleiben, und nicht etwas durch einen Sturm vernichtet werden?
Dirk Walterspacher, CO2OL: Die CO2OL Forste entstehen nur auf Standorten, die unter geographischen Gesichtspunkten als sicher gelten. Seit unserem Start in 1996 in Panama gab es keinerlei Schaden durch Sturm, Feuer, Erdbeben, etc. Daneben werden Sicherungsmaßnahmen gegen die größte Gefahr in den ersten Jahren nach der Pflanzung, das Feuer, ergriffen. Dies sind Feuerschneisen um und in den Forsten, Frühwarnsysteme, permanente Pflege über die gesamte Laufzeit des Projekts. Zusätzlich bietet der von uns angewandte Standard „CarbonFix Standard“ eine Sicherheit in Form eines „Sicherungspools“. Das bedeutet, dass alle gemäß diesem Standard zertifizierten Projekte 30%, also fast ein Drittel, der durch unabhängige Dritte überprüften CO2-Bindung aus diesen Projekten in eine Art Rückversicherung einbezahlen, also nicht in den Handel bringen. Sollte eines dieser Projekte, also auch z.B. ein CO2OL-Projekt durch Sturm, Feuer, Vandalismus, etc. Schaden nehmen und weniger CO2 binden als ausgewiesen und gehandelt, springt diese Versicherung ein.
Björn Hein, natureOffice: Wie entstehen die unterschiedlichen Preise pro Tonne CO2 der Projekte? (Warum kosten Projekte unterschiedlich viel?)
Dirk Walterspacher, CO2OL: Alle Klimaschutzzertifikate im Freiwilligen Klimaschutzmarkt, egal ob aus Aufforstung, Erneuerbare Energien, etc. haben eine Preisbildung, die sich ergibt aus Projektkosten, Angebot und Nachfrage, Qualitätslevel (Standard), usw. Entsprechend ergeben sich Marktpreise zwischen 1 bis zu 40 Euro je Tonne CO2-Äquivalent. Da CO2OL die Aufforstungsprojekte selbst durchführt, die Zertifizierungsdokumentationen für die entsprechenden Standards mit eigenen Spezialisten anfertigen lässt, sind sämtliche sonst im Markt üblichen Zwischenhandelsketten ausgeschaltet. Dies sind in der Regel „Wholesaler“, „Trader“, „Broker“, usw. für die Klimaschutzzertifikate. Somit landen bei „CO2OL Biodiversity Reforestation“, einer reinen Schutzwaldforstung, ohne jede weitere kommerzielle Nutzung, über 80 % der Erlöse aus dem Verkauf der CO2-Zertifikate direkt in Panama im Projekt. Für dieses Geld wird geeignetes Projektland geprüft, gekauft, erschlossen, aufgeforstet und 50 Jahre gepflegt. Zusätzlich erfolgt die umfangreiche Erstellung der Zertifizierungsdokumente, sowie die Validierungs- und Zertifizierungsprozesse. Da dieses Projekt keine weiteren Einkünfte hat, also 100% additional ist, muss der Verkauf der CO2-Zertifikate diese genannten Leistungen finanzieren. Das macht die CO2-Zertifikate besonders wertvoll aber auch etwas teurer.
In einem Projekt „CO2OL Tropical Mix“, das den gleichen Qualitätsstandards genügt, findet eine selektive, nach FSC-Vorgaben durchgeführte Teildurchforstung im Jahr 25 statt. Kein Kahlschlag, sondern eine nachhaltige Durchforstung wie in einem Nutzwald in Deutschland, bei der nach der Durchforstung durch natürlich Aussaat bzw. Nachpflanzen, die Lücken sich schnell wieder schließen. Hier gibt es neben den Einkünften aus dem Verkauf von CO2-Zertifikaten auch Einkünfte aus dem Verkauf von Holz. Deshalb muss der Verkauf der CO2-Zertifikate nicht alleine das Aufforstungsprojekt finanzieren, die CO2-Zertifikate können günstiger angeboten werden. Natürlich kann in diesem Projekttyp eine geringere Anzahl CO2-Zertifikate pro Fläche ausgewiesen und gehandelt werden, da nur die dauerhaft in lebender Biomasse auf der Fläche gebundene Menge an CO2 angerechnet werden kann.
Björn Hein, natureOffice: Man kennt den Gold Standard für Projekte aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien wie etwas Solar oder Wasserkraft. Wie sind Ihre Projekte zertifiziert?
Dirk Walterspacher, CO2OL: Der GoldStandard ist nicht für Forstprojekte anwendbar – eine Lücke die hoffentlich bald geschlossen werden wird. Für den Forstbereich gibt es jedoch genauso robuste Standards, wie den CCB Standard der Climate, Community & Biodiversity Alliance (www.climate-standards.org) bzw. der CarbonFix Standard (www.carbonfix.info/COI).
Der CCB Standard wurde entwickelt von führenden Umweltschutzverbänden wie dem Nature Conservancy, Rainforest Alliance, usw. Neben der CO2-Bindung legt der Standard höchsten Wert auf ökologische und soziale Kriterien.
Die gleichen strengen Kriterien legt auch der CarbonFix Standard an, bietet darüber hinaus jedoch zusätzlich ein Zertifizierungssystem sowie eine herausragende Nachvollziehbarkeit und Transparenz der Projekte auf deren Website.
Das Projekt „CO2OL Panama Native Species Reforestation“ Aufforstungsprojekt war Anfang 2007 das erste Projekt weltweit, das gemäß dem CCBStandard erfolgreich validiert wurde und das mit der höchstmöglichen Qualitätsstufe dem „Gold Rating“. Das Projekt „CO2OL Tropical Mix Panama“ ist das zweite weltweit erfolgreich validierte Projekt gemäß dem CarbonFix Standard.
Alle CO2OL-Forste entsprechen den FSC-Standards und sind FSC-zertifiziert.
Björn Hein, natureOffice: Gold Standard steht unter anderem auch für eine Nachhaltigkeit bei der Projektentwicklung vor Ort. Ist der CCP Gold Status bzw. der Carbon Fix Standard dort genau so hochwertig?
Dirk Walterspacher, CO2OL: Ganz klar- ja, siehe vorige Frage. Der Initiator des GoldStandard, der WWF, vergleicht in seinem Green Carbon Guidebook die Parameter verschiedener Standards: http://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/pdf_neu/Green_carbon_guidebook.pdf
Björn Hein, natureOffice: Wer betreut die Projekte – ist das CO2OL bzw. ForestFinance selbst oder gibt es da weitere Partner?
Dirk Walterspacher, CO2OL: Die ForestFinance Group mit Sitz in Bonn, Deutschland und Panama betreut die Projekte vollständig in einer Hand von der Konzeption, Umsetzung bis zur langfristigen Betreuung. Dazu gehören eigene Spezialisten in tropischer Forstwirtschaft, zertifizierte Waldbewerter, Kartographen, Geologen, Biodiversitäts-Spezialisten sowie erfahrenes Personal vor Ort für die forstlichen Tätigkeiten. Für forsttechnische Dienstleistungen greift ForestFinance neben den eigenen operativen Einheiten auch, je nachdem, was die bessere Lösung ist, auf ausgewählte örtliche Dienstleister zurück. Bei denen es sich dann übrigens auch zumeist um FSC-zertifizierte Betriebe handelt.
Björn Hein, natureOffice: Wem gehört das Land, auf dem die Wälder wiederaufgeforstet werden?
Dirk Walterspacher, CO2OL: Das ist je nach Projekt und Landesrecht unterschiedlich. In manchen Ländern können die Projektflächen nur von der öffentlichen Hand gepachtet werden (vergleichbar Erbpachtmodell in Deutschland), da Fremdbesitz ausgeschlossen ist. Allerdings wird dann über Verträge sichergestellt, dass nach der Rückgabe der Flächen und Forste nach z.B. 50 Jahren, der Wald durch die öffentliche Hand als CO2-Senke erhalten bleiben muss.
In Panama erwirbt die ForestFinance Group die Projektflächen. Dies ist aus unserer Sicht die sicherste Möglichkeit die Langfristigkeit der Wälder und somit CO2-Senke zu gewährleisten. Die Projektflächen für die reinen Biodiversitätsforste gehen dann an eine landeseigene Stiftung über, die für den dauerhaften Schutz und Erhalt der CO2-Senken verantwortlich ist.
Die Projektflächen des Projekts „CO2OL Tropical Mix“ sind bis zum Jahr 25 in privater Hand bzw. verbleiben im Besitz der ForestFinance Group.
Björn Hein, natureOffice: Kann man sagen: ein 1kg CO2 = 1 Baum oder gibt es eine andere greifbare Quantifizierung?
Dirk Walterspacher, CO2OL: Ein Baum in den Tropen bindet wesentlich mehr CO2 – bis er ausgewachsen ist bis zu einer Tonne CO2 und mehr. Allerdings kann man das nur schwer verallgemeinern. Genau wie auch die „CO2-Leistung“ z.B. von einer Windmühle von vielen Faktoren wie Windleistung, Generatorleistung bzw. bei einer Solaranlage von Parametern wie Sonneneinstrahlung, Wirkungsgrad der Anlage abhängt, ist Wald nicht gleich Wald. Auch die „CO2-Leistung“ des Waldes hängt von vielen Faktoren ab und muss jeweils je Projekt und Standort aufwändig projeziert, gemonitort und letztlich erhoben werden. So spielen Standortfaktoren wie Bodenqualität, Klima aber auch konzeptionelle Faktoren wie gepflanzte Baumarten, der Forstmanagementplan (Pflanzung, Anzahl Bäume je Hektar, Pflegemaßnahmen, usw.) eine große Rolle.
Hier kann CO2OL auf nunmehr über 10 Jahre praktische Erfahrung und umfangreiche Monitoringdaten zurückgreifen, um ein ausgewogenes und erfolgreiches Modell aus maximaler CO2-Bindung bei gleichzeitiger Berücksichtigung von ökologischen Richtlinien zu gewährleisten.
Björn Hein, natureOffice: Vielen Dank für das überaus interessante Interview. Ich glaube, es hilft unseren Kunden und Partnern viel, das Thema Wiederaufforstung besser zu verstehen.
Für mehr Informationen:

