von Björn
Der dritte Teil unserer Wissens-Serie behandelt Umweltmanagement- und Sozialstandards, die in Unternehmen und Organisationen eine besonders breite Anwendung gefunden haben.
Unsere Kunden kennen dieses Zeichen: „Wir drucken klimaneutral mit natureOffice“ steht für einen wichtigen Baustein bei der Nachhaltigen Medienproduktion. Daneben gibt es viele weitere Umweltlabels und -programme, die fast schon wie Pilze aus dem Boden schießen. Ein Grund mehr, sich die wichtigsten Umweltmanagement-Standards, deren Herkunft und Bedeutung einmal genauer anzuschauen.
Zunächst ein Blick in das Lehrbuch „Betriebliches Umweltmanagement“. Für die Klassifizierung von Umweltmanagement- und Sozialstandards werden hier drei Gruppen herangezogen.
Erstens: Die Produktstandards. Sie behandeln die Merkmale von Produkten wie Inhaltsstoffe, Größe, Form etc. Dazu zählen insbesondere die so genannten Ökolabels wie das Bio- oder Ökotex-Zeichen. Ökolabels geben Aufschluss über umweltrelevante Produktionsbedingungen und Produkteigenschaften und sind in den Industriestaaten zu einem weit verbreiteten Instrument der marktorientierten Umweltpolitik geworden. Sie können sowohl an Unternehmen als auch an einzelne Produkte vergeben werden.
Der Blaue Engel
Der Blaue Engel ist die erste und älteste umweltschutzbezogene Kennzeichnung der Welt für Produkte und Dienstleistungen und wurde bereits 1978 auf Initiative des Bundesministers des Inneren und durch den Beschluss der Umweltminister des Bundes und der Länder ins Leben gerufen. Für die Druckbranche ist Der Blaue Engel als Umwelt-Kennzeichnung für Recyclingpapier oder für besonders umweltfreundliche Lösungsmittel im Einsatz und bekannt. Mehr zum Blauen Engel.- Bio-Siegel
Das 2001 vom deutschen Verbraucherschutzministerium für Produkte des ökologischen Landbaus ins Leben gerufene staatliche Bio-Siegel sorgt für mehr Transparenz beim Kauf von Lebensmitteln. Es kennzeichnet Produkte und Lebensmittel, die nach den EG-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau produziert und kontrolliert wurden. Mehr zum Bio-Siegel.
Ă–ko-Tex
Die unabhängigen Prüfinstitute der Internationalen Öko-Tex Gemeinschaft haben sich „Textiles Vertrauen“ zum Motto gemacht. Nach Öko-Tex Standard 100 werden seit 1992 gesundheitlich einwandfreie Textilprodukte aller Art gekennzeichnet. Die Produktauszeichnung dient bewusst einkaufenden Konsumenten zur Orientierung. Mehr zu Öko-Tex.
Zweitens: Die Prozessstandards. Sie beziehen sich auf Vorgaben für Produktionsprozesse, die Auswirkungen auf das Endprodukt haben können. Prozessstandards beinhalten die Erfassung aller erkennbaren Umwelteinwirkungen eines Produktes – von seiner Herstellung bis hin zur Entsorgung.
EMAS
Die europäische Gemeinschaft hat sich 1993 in ihrem 5. Umweltaktionsprogramm für eine dauerhafte und umweltgerechte Entwicklung ausgesprochen. Das Ergebnis heißt EMAS (Eco Management and Auditing Scheme), das EU-weite Umweltmanagement-System. Ziel dieser unabhängigen Zertifizierung ist die Einführung einer Umweltpolitik im Unternehmen, die u. a. eine Umwelterklärung enthält und die ständige Verbesserung der Umweltleistungen zum Ziel hat. Nachgeprüft wird dies durch staatlich zugelassene Umweltgutachten. Die erfolgreiche EMAS-Zertifizierung wird durch Eintrag bei der jeweiligen IHK bestätigt. Mehr zu EMAS.
ISO
Der internationale Standard ISO 14001 dient zur systematischen Integration des Umweltschutzes in Managemententscheidungen und täglichen Abläufe eines Unternehmens. Er organisiert ein Umweltmanagement-System. Zur besseren Kompatibilität wurde der Standard ISO 14001 in EMAS integriert. Mehr zu ISO.
Wir drucken klimaneutral
„Klimaneutral gedruckt mit natureOffice“ steht für einen wichtigen Baustein bei der nachhaltigen Medienproduktion. Jeder klimaneutrale Druckauftrag, der über das natureOffice Verfahren abläuft, erhält eine unverwechselbare ID-Nummer. Die ID-Nummer garantiert Transparenz und Nachvollziehbarkeit. Mehr zu klimaneutralem Drucken.
Ă–koprofit
Ökoprofit (Ökologisches Projekt Für Integrierte Umwelt-Technik) ist ein Kooperationsprojekt zwischen Kommunen und der örtlichen Wirtschaft. Ziel des Projekts ist die Betriebskostensenkung unter gleichzeitiger Schonung der natürlichen Ressourcen (z. B. Wasser, Energie etc.). Dabei sind produzierende Unternehmen, Dienstleister und Sozialeinrichtungen wie auch Handwerker gleichermaßen angesprochen. Mehr zu Ökoprofit.
Drittens: Die Verhaltensstandards. Sie beinhalten Handlungsanweisungen für ein bestimmtes Verhalten, das sich in internen Betriebsabläufen widerspiegeln sollte. Die Verhaltensstandards definieren, was ein Unternehmen tun bwz. nicht tun darf.
FSC
Die unabhängige, internationale Organisation „Forest Stewardship Council“ wurde 1993 gegründet. 130 Vertreter der Holzwirtschaft und NGOs (Nicht-Regierungs-Organisationen) sowie Regierungsvertreter und Zertifzierungsinstitutionen aus 25 Ländern haben gemeinsam erklärt, im Bereich Waldwirtschaft ökonomische, soziale und ökologische Ziele einheitlich zu verfolgen. Mit dem in der Druckbranche etablierten FSC-Logo werden Produkte gekennzeichnet, die aus einer nachhaltigen Forstwirtschaft stammen – insbesondere Holz und immer mehr auch Papier. Mehr zu FSC.
PEFC
PEFC (Programme for the Endorsement of Forest Certificatin Schemes) steht für ganzheitliche Nachhaltigkeit: Als integratives Konzept verbindet es ökologische, soziale und ökonomische Aspekte. PEFC ist der Garant für eine kontrollierte Verarbeitungskette – unabhängig überwacht, lückenlos nachvollziehbar und nachhaltig. Von zertifizierten Wäldern über Holz verarbeitende Betriebe bis zum Endprodukt im Regal. Mehr zum PEFC.
FairTrade
Das Fair Trade Siegel steht für fairen Handel. Es wird vergeben, wenn festgelegte soziale und ökologische Bedingungen und Mindeststandards für die Produktion von vornehmlich Plantageprodukten erfüllt werden. Das internationale Logo kommt in dieser Form in Deutschland seit 2003 zum Einsatz und ersetzt seither das zuvor 10 Jahre lang gültige TransFair-Signet. Die deutsche Oganisation hinter dem Label heißt weiterhin „TransFair“. Mehr zu Fair Trade/TransFair.
Doch Achtung: Der Besitz von Standards und Zertifizierungen bildet nicht automatisch die realen Strukturen eines Unternehmens ab. Die Wirksamkeit von Standards muss daher immer wieder hinterfragt werden. Zumal es bereits erste Untersuchungen gibt, nach denen sich Unternehmen nur an Standards beteiligen, weil sie ein Zertifikat anstreben, eine wirkliche Veränderung der internen Prozesse jedoch gar nicht beabsichtigt ist. Auch bei der Zertifizierung selbst heißt es: Aufpassen. Manche Stellen erteilen Zertifikate, bei denen die Auflagen wesentlich geringer als bei anderen ist. Ein intensiver und vor allem offener Austausch zwischen produzierendem und zertifizierendem Unternehmen gibt Sicherheit.
In zwei Wochen erscheint der nächste Artikel aus der Serie “Betriebliches Umweltmanagement”:
4/12: Nachhaltigkeit geht alle an. Warum Umweltschutz im Unternehmen nicht nur Chefsache ist.

